HAMLET Y – TO DO OR NOT TO DO. THAT IS THE QUESTION.

 

 

 

Die Vielschichtigkeit von HAMLET von William Shakespeare lässt viel Freiraum für Deutungen, so dass der Stoff ewig aktuell bleibt. Gemeinsam haben wir darüber nachgedacht, was zu tun ist, wenn doch ganz offensichtlich etwas faul ist im Staate.

Wir stehen an vielen Fronten vor grossen Veränderungen. Viele Wege, die wir im Laufe der vergangenen Jahrzehnte beschritten haben erweisen sich heute als vermeintliche Sackgassen. Ob wir uns als Spielball der Ereignisse begreifen und resignieren, ob wir uns an die misslichen Umstände gewöhnen oder ob wir etwas tun und damit den Lauf der Geschichte in die eigenen Hände nehmen, wird sich weisen. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob was zu tun ist – und wenn ja, dann was.
Hamlet ist nicht die Sorte Revolutionär, der Söldner um sich schart und kriegerisch zum Angriff aufruft. Er findet eine eigene Vorgehensweise. Das hat er vielleicht mit heutigen jungen Menschen gemein, die es bevorzugen, unkonventionelle Lösungen zu finden. Die Mentalität der Generation Y hat ihr den Namen gegeben. Im amerikanischen Englisch wird mit dem Wort „Why“ eine fragende und suchende Grundhaltung ausgedrückt, die gegebene Strukturen gerne genau unter die Lupe nimmt. Oft werden sie die „heimlichen Revolutionäre“ genannt, denn sie agieren wohl radikal, aber still und leise, quasi hinter den Kulissen.
Ort des Geschehens ist die grosse und klassische Guckkastenbühne im Theater Freiburg im Breisgau. Ganz im Dienste der eigenen Gestaltungsabsicht suchten wir nach sehr individuellen Entwürfen für den Bühnenraum.


DOZENTIN:
Nadia Fistarol

DRAMATURGISCHE BEGLEITUNG:
Heike Dürscheid

ASSISTENTIN:
Anna Pedemonte

EXPERTEN UND FACHPERSONEN:
Andreas Herrmann – Regisseur und Schauspielleiter des Luzerner Theaters
Karsten Mayer, David Loeffel Saltzman – Lichtworkshop Kaserne Basel

STUDIERENDE:
Noemi Baldelli, Tanja Baltensperger, Liliane Blösch, Eva Chen, Tanya Eberle, Fabienne Fischer, Lorielle Hunziker, Yeliz Kartal, Corinne Koller, Lea Lardrot, Galina Litman, Corinne Morf, Anja Raemy, Denise Schröder


HAMLET IN BETWEEN

Fabienne Fischer

Bist du bereit für den Absprung?

«Hamlet in-between» macht die Handlungshemmung und die Diversität unseres Ichs in der gegenwärtigen Gesellschaft zur zentralen Thematik der Inszenierung. Mut trifft auf Selbstzweifel, Intuition auf Verdrängung und Freiheit auf Abhängigkeit. Ein inneres Hin und Her, welches durch annähernd zwei Dutzend Hamlets auf der Bühne verkörpert wird. Auf Geschwindigkeit, Überforderung und auch die Gegensätzlichkeit von Entscheidungsmöglichkeiten unserer Zeit wird anspielt.
‹Hamlet in-between› spielt auf einer variierbaren Anordnung von drei Sprungtürmen.

Link zu Video des Projekts auf Vimeo

 

 


HIC ET NULLO LOCO

Lea Lardrot

Alles funktioniert nach System. Nach Muster. Nach Plan. Nach Berechnung. Statistiken, Postleitzahlen, Verkehrsampeln, Daten Daten Daten. Alles wird beobachtet, vermessen, vorauskalkuliert und organisiert. Wir erschaffen Strukturen, um unsere Umgebung und unseren Alltag zu ordnen, und ordnen uns selbst dann freiwillig diesen Strukturen wieder unter.
In «Hic et nullo Loco» kann man hinter die Maschinerie sehen, das System erkennen und an seinen Schwachpunkten anpacken, es verschieben bis es in Nichts mehr dem starren Raster gleicht, dem wir uns im Alltag so oft ausgeliefert finden.

 


TRAG-WEITE(R)!

Liliane Blösch

Wir wollen möglichst weit kommen, möglichst die Besten sein. Wir wollen immer mehr und Verbissen streben wir nach unseren Zielen. Nur das Beste ist uns gut genug. Dass dabei andere unter diesem Lebensstil leiden, scheint uns gleichgültig.
Eine sich drehende Skulptur aus Treppen und Ebenen in unterschiedlichen Höhen bildet das Herzstück des Bühnenbildes. Doch die Verbindungen zwischen den Ebenen sind nur begehbar, weil andere sie stützen. Sie tragen, stützen und halten solange, bis ihre Kraft erschöpft ist und sie die Last nicht mehr tragen können. Nach und nach fallen die einzelnen Elemente zusammen und die Skulptur wird zu einer Ruine. Das Publikum erkennt die ganze Tragweite von unserem egoistischen Lebensstil.

 

 


MACHTSPIEL

Lorielle Hunziker

Die in Hamlet beschriebenen Machtverhältnisse können auf unser gesellschaftliches und politisches Leben heute übertragen werden. Komplexe Machtstrukturen und die vielschichtigen Dimensionen der Machtausübung werden visualisiert. Auf der Bühne befindet sich ein filigranes, vertikal verspieltes Konstrukt aus vielen Stützenelementen, die durch Querstreben verbunden sind. Aus Angst vor Kontrollverlust, aus Verletzlichkeit und Machtlosigkeit manipulieren die Akteure das System durch das Entfernen einzelner Elemente. Dies führt schliesslich zum Zerfall des Königreichs und des Systems. Der rieselnde Schnee verstärkt sich während der Machtkämpfe und verwandelt sich zu einem Schneesturm.